Ich möchte sie als Gemeinde auch bitten, wenn sie etwas hören: Nehmen sie die Leute an die Hand!

Eigentlich hätte die Übergabe schon viel früher stattfinden sollen. Das Kreativ-Team der Gemeinde Frankfurt-West hat so viel für die Sternenkinder gestrickt, genäht und gehäkelt, dass schon länger kein Platz mehr war. Aber wie der liebe Gott es eben lenkt: Der Zeitpunkt am 26. April war perfekt! Durch das Thema der Predigt. Durch die Musik. Und mehr…

Und wer ist, der euch schaden könnte, wenn ihr ihm nacheifert?

Brief Petrus, 3, 13

Gedanken aus der Predigt von Priester Rüdiger Saur:

Wie intensiv bemühen wir uns, Gottes Willen zu verstehen? Und wenn man diesen Willen erkennt, ihn auch zu tun. Gott kann über dich Menschen dienen. Helfen. Und ich fand es jetzt schon interessant, dass wir diesen Sonntag ausgewählt hatten, um heute eine Übergabe zu machen. Von Dingen, die von unserem Kreativteam gehandwerkt wurden. Einer Arbeit, über die wir nachher noch ein bisschen etwas hören werden, die sich insbesondere Kindern zuwendet, die das Licht dieser Welt nie lebend erblickt haben.

Es gab in der Predigt sehr viele Parallelen zu dem, was wir seit dem Thematisieren der Sternenkinder in unserer Kirche, seit SternenLicht, erlebt haben. Dinge, von denen der Priester am Altar vermutlich nichts weiß. Aber so spürt man, dass es der perfekte Gottesdienst für die Übergabe war.

Es ist leider immer noch ein ganz großes Tabuthema in Deutschland

Margit Fried ist nach Frankfurt-West gekommen, um mehrere Kiste mit Andenken, Einschlagdecken und Taufkissen abzuholen. Viele Monate hat das Kreativ-Team an den Sachen gearbeitet und sie gehen als Spende an den Verein Sternchenzauber und Frühchenwunder.

Nach dem Gottesdienst erzählt Margit, wie sie es selbst vor Jahren erlebt haben:

Wir haben gerade diese Woche den 9. Geburtstag von unserem Sohn gefeiert. Kilian wurde in der 23. Woche geboren und uns in einer Nierenschale präsentiert. Er wurde nicht angezogen und wir durften keine Bilder machen. Wir haben nichts von ihm. Wir waren in diesem Augenblick einfach überfordert. Und wir haben einen Halt im Leben gesucht. Und da hat mich Sternchenzauber abgeholt. Sie haben uns eine Sternenzauberpost zukommen lassen. Darin waren kleine Knautschies. Die konnte man in die Tasche stecken und immer wenn man traurig war, hatte man was zum Festhalten.

Unser Sohn ist in einem Sammelgrab, weil wir damals überfordert waren. Wir lieben es mittlerweile, mit unseren Zwillingen dorthin zu gehen und jedes Jahr auch den Geburtstag zu feiern. Wir haben in diesem Jahr die Kinder gefragt, was sie sich wünschen. Und sie haben sich gewünscht, am Grab Vier gewinnt zu spielen.

Unser Sohn ist in einem Sammelgrab, weil wir damals überfordert waren. Wir lieben es mittlerweile, mit unseren Zwillingen dorthin zu gehen und jedes Jahr auch den Geburtstag zu feiern. Wir haben in diesem Jahr die Kinder gefragt, was sie sich wünschen. Und sie haben sich gewünscht, am Grab Vier gewinnt zu spielen.


Ich möchte, dass die Sternenkinder auch als Kinder angesehen werden. Und dass Eltern, Familienangehörige aber auch Geschwisterkinder über die Sternenkinder sprechen. Denn es ist leider immer noch ein ganz großes Tabuthema in Deutschland. Wir haben im Jahr über 700.000 Fehlgeburten. Und viele werden immer noch als Klinikmüll entsorgt.

Ich möchte sie als Gemeinde auch bitten, wenn sie etwas hören: Nehmen sie die Leute an die Hand und reden mit ihnen! Denn das Reden über die Kinder hilft den Familien und diese Kinder gehören zu uns!

Nach der Ansprache durch Margit Fried brachte Priester Rüdiger Saur auch noch einen schönen Gedanken ein:

Mir ging es so, wie es Frau Fried geschildert hat: Diese Initiativen waren mir nicht bekannt. Vor ein oder zwei Jahren hatten wir eine Veranstaltung in Hanau. Wir konnten uns nur online dazu schalten. Aber etwas, mit dem wahrscheinlich jeder von uns groß geworden ist, hat plötzlich eine ganz neue Bedeutung bekommen:

Das Lied: Weißt Du wieviel Sternlein stehen. Wer hat es nicht mal seinen Kindern vorgesungen? Und plötztlich guckt man nach oben, und diese Sterne aus dem Lied eine ganz andere Bedeutung. Und das Wichtige in dem Lied: Gott der Herr hat sie gezählet! Jedes einzelne ist ihm bekannt!

Wir haben bei SternenLicht in Hanau eine Strophe gesungen, die von einer Glaubensschwester für Sternenkinder geschrieben wurde. Und diese Schwester war im Gottesdienst anwesend!

Schwester Inge Bischoff hat für das Kreativ-Team gesprochen und der Gemeinde erklärt, wie es zu dem Projekt kam. Es ging nicht nur darum, die Kliniken und Eltern mit Andenken, Kleiderung, Decken und vielen anderen schönen Dingen zu versorgen, sondern einen Beitrag zu leisten, das Thema sichtbar zu machen und aus der Tabuzone zu holen. Und bevor die Kisten mit den Spenden aus der Kirche getragen wurden, hat sie auch noch erklärt, wie es weiter geht:

Ich habe vorhin gelernt, dass das Bürgerhospital auch viele muslimische Patienten hat. Und dass sie ihre Kinder in Weiß beerdigen, deswegen wir auch verstärkt in diese Richtung arbeiten!

Vielen Dank, dass ihr euch so einbringt!

Links zum Artikel:
Der Verein Sternenzauber & Frühchenwunder
Die GemeindeFrankfurt-West

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